Wir neigen in der Regel dazu, negative Gefühle wie Wut, Ärger, Angst, Trauer und ähnliche emotionale Facetten stärker wahrzunehmen als positive. Dies mag möglicherweise daran liegen, dass einige dieser Emotionen unsere steinzeitlichen Vorfahren im unmittelbaren Überlebenskampf unterstützten (z.B. Reisenzein & Horstmann, 2018). Um einen positiven Blick auf das eigene Leben, den Alltag, die eigene Person und das persönliche Umfeld zu wahren, kann es demgegenüber hilfreich sein, sich angenehme Gefühle, die man über einen bestimmten Zeitraum erlebt, bewusst vor Augen zu führen.
Dies soll nicht bedeuten, dass unschöne Begebenheiten und die damit einhergehenden Emotionen blauäugig ausgeblendet werden sollen. Ein solches Verhalten wäre realitätsfern und dauerhaft nicht gesundheitsförderlich. Doch meiner Erfahrung nach kann bereits die Auseinandersetzung mit positiven Gefühlen eine angenehme, optimistische Grundstimmung erzeugen.


Denkt man über positive Gefühle nach, mag es anfangs unter Umständen schwierig sein, bestimmte Gefühlsregungen in Worte zu fassen. Durch die weit verbreitete Dominanz negativer Aspekte, sind wir es vermutlich eher gewohnt, ebendiese besser zu verbalisieren. Barbara Fredrickson ist eine Forscherin auf dem Gebiet eben jener positiv gelagerter Gefühle. Sie hat ein paar einschlägige Gefühlsbegriffe aufgeführt, die ich hier als kleine Hilfestellung und roten Faden nennen möchte, auch wenn die Liste sicher nicht alle wohltuenden Emotionen beschreibt (2011, S.40ff):

  • Freude
  • Dankbarkeit
  • Gelassenheit
  • Interesse
  • Hoffnung
  • Stolz
  • Belustigung/Vergnügen
  • Inspiration
  • Ehrfurcht
  • Liebe

Um den Exkurs in die Welt der positiven Gefühle mit dem heutigen Blogbeitrag einzuleiten, widmen wir uns zunächst einmal der Freude.
Der Duden (o.J.) definiert Freude als „hochgestimmte[n] Gemütszustand“ sowie als „froh und beglückt sein“. Meiner Erfahrung nach ist es die Gefühlslage, die wir im Alltag am ehesten nutzen, um eine positive Verfassung zu umschreiben. Auch wenn engenehme Emotionen oft ein Lächeln umfassen, so ist meiner Meinung nach Freude das Gefühl, welches am meisten mit Lächeln assoziiert ist. Freude stellt sich ein, wenn wir beispielsweise eine Tätigkeit ausführen, die uns erfüllt, aber auch, wenn wir ein Ziel erreichen. Vielleicht erinnern Sie sich an den Tag, an dem Sie erfolgreich eine Prüfung oder einen anderen Meilenstein in ihrem Leben absolviert und sich von ganzem Herzen gefreut haben. Freude motiviert uns (Rudolph, 2003). Sie kann ganz unerwartet über uns hereinbrechen. Sie fühlt sich „leicht und strahlend“ an (Fredrickson, 2011, S.41).

Vielleicht haben Sie schon während des Lesens bemerkt, wie sich Ansätze von freudigen Gefühlen in Ihnen geregt haben. Vielleicht hat Ihr Bauch gekribbelt oder wurde ganz warm, vielleicht spürten Sie einen Anflug von Tatendrang oder begannen unwillkürlich zu lächeln. In positiven Gefühlen zu schwelgen kann Balsam für die Seele sein.

Freude-Übung

Zur Schärfung Ihrer Freude-Sensoren, finden Sie folgend eine Übung, die sich gut eignet, um sie regelmäßig in den Alltag einzubauen. Eine kleine mentale Auszeit sozusagen. Selbstverständlich können Sie sie ebenso nutzen, um sich nur für heute ein bewussteres Bild Ihres Erlebens von Freude zu machen.

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit. Am besten an einem ruhigen Ort. Setzen oder legen Sie sich bequem hin. Die Augen können Sie schließen oder geöffnet lassen. Je nachdem, was sich für Sie besser anfühlt. Und nun fragen Sie sich selbst einmal, wann Sie sich eigentlich das letzte Mal gefreut haben. Heute oder vielleicht in den letzten Wochen? Es muss kein exorbitanter Anlass gewesen sein. Es ist durchaus legitim, sich beispielsweise an einem guten Buch zu erfreuen oder an dem Umstand, dass die Sonne geschienen hat. Stellen Sie sich die Situation dann in all ihren Einzelheiten vor. Was haben Sie zu diesem Zeitpunkt gesehen, gefühlt, gerochen, geschmeckt und gehört? Schwelgen Sie so richtig in den einzelnen Wahrnehmungsaspekten. Verweilen Sie eine Zeit in dem Moment und genießen Sie die Erinnerung. Wenn Sie aus der Übung wieder zurückgekehrt sind, spüren Sie in den darauffolgenden Minuten und Stunden aufmerksam nach, ob und inwieweit das Gefühl der Freude in Ihnen nachschwingt.

Literaturverzeichnis

Dudenredaktion. (o.J.). „Freude“ aus Duden online. https://www.duden.de/node/674124/revisions/1935397/view. Zugegriffen: 22. Februar 2019.
Fredrickson, B. (2011). Positivity. Groundbreaking research to release your inner optimist and thrive. Oxford: Oneworld.
Kiesel, A. & Spada, H. (Hrsg.). (2018). Lehrbuch Allgemeine Psychologie (4. Aufl.). Bern: Hogrefe.
Reisenzein, R. & Horstmann, G. (2018). Emotion. In A. Kiesel & H. Spada (Hrsg.), Lehrbuch Allgemeine Psychologie (4. Aufl., ). Bern: Hogrefe.
Rudolph, U. (2003). Motivationspsychologie (Jokers Edition, 1. Aufl.). Weinheim: Beltz PVU.