Nachdem wir uns im letzten Blogbeitrag mit Freude beschäftigt haben, setzen wir nun unsere Entdeckungsreise zu den positiven Gefühlen in Richtung Dankbarkeit fort.

Dankbarkeit ist wie die meisten positiven Emotionen mit psychischem Wohlbefinden verbunden (Wood, Jeffrey & Geraghty, 2010). Sie stellt sich ein, wenn wir feststellen, dass wir Unterstützung oder Vorteile erhalten haben. Gleichzeitig würdigen wir diese positiven Aspekte (Michalos, 2014). Würdigung ist von dem Gefühl, nun in der Schuld einer anderen Person zu stehen, abzugrenzen. Dankbarkeit ist mit Freiwilligkeit verknüpft, in jemandes Schuld zu stehen hingegen mit einer moralischen Verpflichtung, welche sich nicht unbedingt gut anfühlt (Fredrickson, 2011).

Die Quellen der Dankbarkeit sind mannigfaltig. Zum einen entspringen sie der Achtung, die wir den Handlungen anderer entgegen bringen. Zum anderen beziehen sie sich auf eine globale Wertschätzung der positiven Aspekte im Leben. Beispielhaft seien hier die folgenden Ursprünge von Dankbarkeit genannt (Wood, Maltby, Stewart & Joseph, 2008, zitiert nach Michalos, 2014, S.2609):

  • direkte Unterstützung
  • materieller Besitz
  • erfüllte soziale Beziehungen
  • positive Aspekte eines bestimmten Moments
  • eigenes Wohlbefinden im Vergleich zu anderen Menschen

Dankbarkeit lässt uns nicht nur gut fühlen, sondern beinhaltet nach Michalos (2014) drei Funktionen. Wenn wir Hilfe von anderen erhalten haben, fungiert sie als „moralisches Barometer“. Gleichzeitig wirkt Dankbarkeit auch als „moralische Motivation“, indem wir das Bedürfnis verspüren, die Unterstützung zurück zu geben. Das Ausagieren jenes Bedürfnisses muss nicht direkt an die Person gerichtet sein, der wir dankbar sind, sondern kann sich ebenso auf andere Menschen beziehen, denen wir stattdessen etwas Gutes tun (Fredrickson, 2011). Dies führt zur dritten Funktion von Dankbarkeit als „moralischem Verstärker“, der animiert auch zukünftig mehr Unterstützung an andere weiterzugeben, wenn wir Dankbarkeit erfahren haben.

Man könnte also sagen, Dankbarkeit verstärkt sich selbst und macht die Welt im Kleinen etwas besser. Es lohnt sich folglich, sich mit diesem Gefühl etwas intensiver und bewusster auseinanderzusetzen. Als kleinen Input dazu folgt eine Übung zur Dankbarkeit.

Dankbarkeitsübung

Diese Übung orientiert sich an einer Dankbarkeitsetüde von Martin E. P. Seligman (2014). Seligman ist ein amerikanischer Psychologie-Professor und -Forscher, der sich intensiv mit dem Gebiet der Positiven Psychologie beschäftigt.

Für die Übung ist wichtig, dass Sie sie wirklich vor dem Hintergrund eines tiefen Dankgefühls durchführen. Sie sollte nicht auf mögliche Vorteile gerichtet sein, die daraus erwachsen können.

Nehmen Sie sich Zeit und denken Sie einmal darüber nach, welche Personen es in Ihrer Biographie, Ihrem Umfeld gibt, die für Sie etwas Gutes bedeuten, mit denen Sie positive Gedanken, Erinnerungen und Gefühle verbinden. Suchen Sie sich aus diesen Personen eine heraus, der Sie noch nie für diesen positiven Beitrag in Ihrem Leben gedankt haben. Wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, wem Sie Ihre Dankbarkeit ausdrücken möchten, nehmen Sie sich einen Zettel und einen Stift oder setzen Sie sich vor Ihren Rechner und beginnen Sie ein Anerkennungsschreiben zu formulieren. Es sollte nicht länger als eine Seite sein. Wenn Sie möchten können Sie es im Sinne einer Urkunde ausgestalten. Lassen Sie sich dabei ganz von Ihrer Dankbarkeit leiten und nehmen Sie sich ausreichend Zeit, bis das Dokument so formuliert und dekoriert ist, dass es Ihrer Dankempfindung gerecht wird. Dies kann einige Tage bis Wochen beanspruchen. Wenn Sie damit fertig sind, verabreden Sie sich mit der betreffenden Person. Der Akt Ihrer Danksagung sollte wirklich im direkten Kontakt und nicht vermittelt über Brief oder Telefon erfolgen. Sagen Sie der Person nicht, um was es gehen soll. Treffen Sie einfach eine Verabredung, die Ihnen einen ungestörten Rahmen bietet. Bringen Sie ein Exemplar Ihres Anerkennungsschreibens zu dem Treffen mit und beginnen Sie nach der Herstellung einer entspannten Gesprächsatmosphäre damit, der Person den Text der Urkunde vorzulesen. Suchen Sie dabei immer wieder den Blickkontakt, lesen Sie langsam und wohlbetont. Ihr Gegenüber wird mitunter einen Moment benötigen, um Ihre Worte zu verarbeiten. Das ist völlig normal und braucht Sie nicht in Unbehagen zu stürzen. Im Anschluss nutzen Sie die Gunst der Stunde und schwelgen Sie beide gemeinsam noch etwas in der Erinnerung, die Sie zum Anlass Ihrer Danksagung gewählt haben. Beobachten Sie dabei auch, was dieses Vorgehen mit Ihnen macht.

Ich wünsche Ihnen ein paar interessante Erfahrungen!

Literaturverzeichnis

Fredrickson, B. (2011). Positivity. Groundbreaking research to release your inner optimist and thrive. Oxford: Oneworld.
Michalos, A. C. (2014). Encyclopedia of Quality of Life and Well-Being Research. Dordrecht: Springer Netherlands.
Seligman, M. E. P. (2014). Der Glücks-Faktor. Warum Optimisten länger leben (Bastei Lübbe, 10. Aufl.). Köln: Bastei Lübbe AG.
Wood, A. M., Froh, J. J. & Geraghty, A. W. A. (2010). Gratitude and well-being: a review and theoretical integration. Clinical psychology review 30 (7), 890–905.