Wenn wir Stress empfinden, treten wir in Aktion und versuchen, den Stress zu bewältigen, ihm zu begegnen. Stressbewältigung wird auch Coping genannt. Dabei können wir mal mehr, mal weniger erfolgreich sein. „In Aktion treten“ bedeutet dabei auch nicht zwangsläufig, sichtlich aktiv zu werden. Doch dazu gleich mehr.
In der psychologischen Fachliteratur werden zahlreiche Stressbewältigungsstrategien beschrieben. Allerdings gibt es aktuell keine einheitliche Einteilung der zur Stressbewältigung genutzten Vorgehensweisen. In diesem Beitrag werde ich mich auf die Copingstrategien beziehen, die im Zusammenhang mit dem von mir bereits erläuterten transaktionalen Stressmodell stehen.
Es lassen sich hier drei Klassen von Bewältigungsformen unterscheiden: ursachenorientierte, emotionsbezogene und kognitive Stressbewältigung (Reif & Spieß, 2018).

Ursachenorientiertes Coping
Diese Form der Bewältigung wird auch problembezogenes oder instrumentelles Coping genannt (Reif, Spieß & Stadler, 2018). Sie zielt darauf ab, Stressauslöser zu reduzieren oder zu beseitigen. Dies kann einerseits in der Belastungssituation selbst oder im Sinne vorausschauender, präventiver Maßnahmen erfolgen (Kaluza, 2011).

Es lassen sich dabei drei Hauptbereiche unterscheiden (Reif et al., 2018):

  • die Suche nach Informationen, z.B. durch den Besuch einer Weiterbildung
  • der Rückgriff auf Unterstützung im sozialen Umfeld, z.B. in dem man Freunde bittet, einem eine Aufgabe abzunehmen
  • problemorientiertes Handeln, z.B. indem man Arbeitsaufgaben verschiedene Prioritäten zuweist und ihre Bearbeitung daran orientiert

Hier werden also meist konkrete Handlungen ausgeführt, die oftmals von außen ersichtlich sind.

Emotionsorientiertes Coping
Ein anderer Begriff für emotionsbezogene Bewältigung ist symptomorientiertes Coping. Es setzt bei den Stresssymptomen in Form der mit dem Stress einhergehenden Emotionen an. Exemplarisch seien hier Strategien wie positives Reinterpretieren, innerliches Abstandnehmen, der Rückgriff auf Religion oder Spiritualität, Akzeptanz, Entspannung, jedoch ebenso betäubende Maßnahmen wie Alkohol- oder Substanzkonsum genannt (Reif et al., 2018). Eben alles, was Stressreaktionen auf der Gefühlsebene verringert. Es muss nicht, aber kann von außen sichtbar sein.

Kognitives Coping
Das Wort „kognitiv“ bezieht sich kurz gesagt, auf das Denken und Wissen. Ich verstehe es in dem vorliegenden Zusammenhang als ein gedankliches Bewältigen, das im Geiste stattfindet. Denn obwohl sich die Situation objektiv nicht verändert hat, wird bei dieser Form der Stressbewältigung der eigene Blickwinkel auf die Situation verändert. Es erfolgt eine subjektive positive Neuinterpretation der Gegebenheiten. Damit zeigen sich auch inhaltliche Ähnlichkeiten zur emotionsorientierten Bewältigung (Reif et al., 2018).

Es sei angemerkt, dass die einzelnen Bewältigungsreaktionen keiner dieser Klasse von Bewältigungmechanismen fest zugeordent sind. Entscheidend ist immer, worauf die jeweilige Copingstrategie abzielt (Kaluza, 2011).
Betrachtet man beispielsweise Humor als Bewältigungsstrategie, so kann auch er verschiedene Funktionen einnehmen. Dient Humor als Ventil für negative Gefühle oder wird er zur Leugnung der Realität eingesetzt, lässt sich Humor als emotionales Coping verstehen. Humor erhöht ebenso die erhaltene soziale Unterstützung (Martin, 2007). Zielt sein Einsatz darauf ab, kann er als instrumentelle Copingstrategie aufgefasst werden. Darüber hinaus ist Humor ebenso als kognitiver Bewältigungsmechanismus einsetzbar, wenn er genutzt wird, um den Blickwinkel auf ein Problem zu verändern und hilft, sich zu distanzieren.

Literaturverzeichnis
Kaluza, G. (2011). Stressbewältigung. Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung (2. Auflage). Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag Berlin Heidelberg.
Martin, R. A. (2007). The psychology of humor. An integrative approach. Amsterdam: Elsevier.
Reif, J. & Spieß, E. (2018). Wahrnehmung und Bewertung von Stressoren. In J. Reif, E. Spieß & P. Stadler (Hrsg.), Effektiver Umgang mit Stress. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.
Reif, J., Spieß, E. & Stadler, P. (Hrsg.). (2018). Effektiver Umgang mit Stress. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.


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