„Stress“ scheint eines der geflügelten Worte der heutigen Zeit zu sein. Es steht für die gesteigerte Aktivität unseres Körpers und unserer Psyche. Zu viel davon ist ungesund. Doch die Stressreaktion selbst, stellt ein uns innewohnendes, natürliches Reaktionsmuster unseres Verhaltensrepertoires dar. Sie beschreibt den Gegenpol zur Entspannung, um die es im Folgenden gehen soll. Ein Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung im Leben im Alltag sind essentiell für die Aufrechterhaltung und Entstehung von Gesundheit.

Der Begriff der Entspannung
Entspannung wird oft mit Worten wie „Erholung“, „Ruhe“ oder „Wohlbefinden“ assoziiert. Manch einem fallen vielleicht bereits Aktivitäten ein, die er/sie als angenehm empfindet oder es kommen körperliche Wahrnehmungen in den Sinn, die mit einem entspannten Zustand in Verbindung gebracht werden.
Entspannung lässt sich als „das Absenken des psychophysiologischen Erregungsniveaus eines Organismus“ definieren (Ebert & Kowalsky, 2012, S. 107). Dies bedeutet, dass Entspannung ein Prozess ist, bei dem sich unser Geist und unser Körper in einen geringeren Aktivitätszustand begeben. Ein wirksames Mittel, um jenen Prozess in Gang zu bringen, sind Entspannungsverfahren, um die es in zukünftigen Blogbeiträgen gehen soll. Entspannung ist jedoch nicht nur ein Vorgang, sondern auch ein Zustand, in dem wir weniger aktiviert sind als normalerweise. Ein Zustand in welchem unser Kopf wie auch unser Körper Erholung finden.

Was bewirkt Entspannung?
Das Absenken des besagten Erregungsniveaus lässt sich zum einen auf der körperlichen Ebene, zum anderen auf der psychologischen beschreiben. Letztere umfasst unsere Denkvorgänge, die Gefühle, aber auch unser Verhalten.

Auf der psychologischen Ebene zeigen sich beispielhaft folgende mögliche Entspannungsreaktionen (Derra, 2017):

  • veränderte Körperwahrnehmung
  • verstärkte Schläfrigkeit
  • erhöhte Wahrnehmungsschwellen
  • distanzierteres Erleben der Umwelt

Wenn wir die Entspannungsreaktionen innerhalb unseres Körpers betrachten, wird es nun etwas fachlich. Die anfangs genannte Polarität zwischen Anspannung und Entspannung findet ihre biologische Entsprechung im Wechselspiel zwischen sympathischem und parasympathischen Nervensystem. Der Sympathikus ist für die Aktivierung des Körpers zuständig, der Parasympathikus für die Erholung. Unser Organismus ist am flexibelsten, wenn sich beide in einem Gleichgewicht befinden. Aus diesem Zustand heraus ist es leichter, tiefere Entspannung zu induzieren, aber ebenso weitere Kraftreserven für die Bewältigung von Anspannungssituationen aufzubringen.

Die Interpretation dessen, was wir individuell als entspannend empfinden, übernimmt das Gehirn. Auf neuronaler Ebene sei hier insbesondere das sogenannte serotonerge System zu nennen, das maßgeblich an der Empfindung von Entspannung beteiligt ist. Es setzt sich zusammen aus den Neurotransmittern Noradrenalin, Serotonin und Dopamin, die auf verschiedene Weise unser Nervensystem beeinflussen. Noradrenalin wirkt aktivierend, Serotonin dämpfend und Dopamin beeinflusst das Wohlbefinden.

Entspannungseffekte lassen sich in kurz- sowie langfristige Auswirkungen einteilen. Über den Körper sind entsprechende Reaktionen leichter messbar, als die innerpsychischen Vorgänge während der Entspannung. So zeigen sich während der Entspannung mitunter viele verschiedene Phänomene. Einige sind folgend exemplarisch aufgeführt (Petermann & Vaitl, 2014):

  • verringerter Skelettmuskulaturtonus
  • Senkung des Blutdrucks
  • erhöhte Gleichmäßigkeit der Atemzyklen
  • Veränderungen der hinrelektrischen Aktivität

Übt man gezielt Entspannung über einen längeren Zeitraum z.B. in Form von regelmäßiger Anwendung von Entspannungsverfahren, zeigen sich weitere Effekte, wie beispielsweise (Derra,2017:

  • Verbesserung der körpereigenen Stressabwehr
  • Veränderung des Neurotransmitterhaushalts
  • Stabilisierung des hormonellen Gleichgewichts
  • Stabilisierung von Biorhythmen
  • Stärkung des Immunsystems)

Entspannung ist also ein natürlicher Prozess und Zustand, der für unsere körperliche und psychische Gesundheit eine entscheidende Rolle spielt. Um Entspannung gezielt herbeizuführen, ist es möglich und ratsam, ein Entspannungsverfahren zu erlernen.




Literaturverzeichnis
Derra, C. (2017). Progressive Relaxation. Neurobiologische Grundlagen und Praxiswissen für Ärzte und Psychologen. Berlin: Springer.
Ebert, D. D. & Kowalsky, J. (2012). Entspannungsverfahren. In M. Berking & W. Rief (Hrsg.), Klinische Psychologie und Psychotherapie für Bachelor. Band II: Therapieverfahren (Bd.2, S. 107–116). Berlin, Heidelberg: Springer.
Petermann, F. & Vaitl, D. (Hrsg.). (2014). Entspannungsverfahren. Das Praxishandbuch (5. Aufl.). Weinheim: Beltz.
Petermann, U. & Pätel, J. (2009). Entspannungsverfahren. In S. Schneider & J. Margraf (Hrsg.), Band 3: Störungen im Kindes- und Jugendalter (Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Bd. 3, S. 243–254). Heidelberg: Springer Medizin Verlag.
Ruhl, U., Hach, I. & Wittchen, H.-U. (2011). Entspannungsverfahren. In H.-U. Wittchen & J. Hoyer (Hrsg.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (Springer-Lehrbuch, 2. Aufl., S. 588–599). Berlin: Springer-Verlag; Springer-Medizin.

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